Swissfundraising kritisiert SRG-Aktion „Jeder Rappen zählt“
Swissfundraising, der Schweizerische Berufsverband für Fundraising-Fachleute mit rund 500 Mitgliedern, beurteilt die geplante Wiederholung der Aktion „Jeder Rappen zählt" von Radio und Fernsehen DRS im kommenden Dezember - und damit in der Vorweihnachtszeit, der wichtigsten Zeit fürs Spendensammeln aller Hilfswerke - als „äusserst ungünstig und ungeschickt".
In einem Brief an SRG-Generaldirektor Armin Walpen nimmt Swissfundraising - nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Rückmeldungen von Mitgliedern - klar Stellung. Wörtlich heisst es dort: „Der Vorstand und die Mitglieder von Swissfundraising beurteilen die Durchführung der SRG-Aktion zu diesem Zeitpunkt als äusserst ungünstig und ungeschickt. Für alle Hilfswerke ist genau diese Periode die wichtigste Zeit des Jahres, in der sie den Grossteil ihrer Spenden erhalten, sich gleichzeitig aber auch bei ihren Spenderinnen und Spendern um die dazu notwendige Kommunikation bemühen müssen. Dank ihrer Sendeinfrastruktur drohen öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio die Aufmerksamkeit zu monopolisieren und die Spenden sammelnden Organisationen in dieser für sie so wichtigen Zeit ins Abseits zu drängen."
Auch grundsätzliche Bedenken
Falls die SRG die „Aktion jeder Rappen zählt" tatsächlich wiederholen sollte, so muss nach Auffassung von Swissfundraising „unbedingt ein anderer Termin gesucht werden". Ansonsten riskiere die SRG permanente Kritik und Missstimmung in der Öffentlichkeit und bei den Hilfswerken. Vorstand und Mitglieder von Swissfundraising stehen der Aktion „Jeder Rappen zählt" aber auch im Grundsatz kritisch gegenüber. Ihrer Ansicht nach ist es „ausgesprochen problematisch, dass die SRG als Medienunternehmen, das zum Grossteil über Konzessionsgelder finanziert wird und primär einen Informationsauftrag hat, sich auf diese Weise auch als Fundraising-Organisation betätigt und die auf Spenden angewiesenen Hilfswerke konkurrenziert." Dies betreffe, so heisst es im Brief, insbesondere jene Organisationen, die nicht im Bereich der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit engagiert seien.
Negative Auswirkungen auf Fundraising befürchtet
Swissfundraising ist besorgt darüber, dass ein Projekt, das aus Sicht der SRG in erster Linie der Hörerbindung dient, negative Auswirkungen auf das Fundraising insgesamt zeitigt: „Diese medial inszenierte und durch faktische Medienmacht ermöglichte Gewinnung von Spenden löst eine Spirale aus, welche die Hilfswerke zwingt, auch ihr Fundraising spektakulärer und aufdringlicher zugestalten." Das bedeute aber, so Swissfundraising weiter, auch eine ungesunde und problematische Erhöhung der Werbekosten, die sich die Hilfswerke gar nicht leisten könnten. Die SRG ihrerseits müsse den von ihr erzeugten Werbedruck nicht monetarisieren, sie arbeitet im Grunde genommen ohne Vollkostenrechnung.
Swissfundraising erinnert daran, dass öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen eine hohe Verantwortung hätten, was ihren Auftritt im Fundraising angeht, und schliesst: „Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass es in dieser Hinsicht bei der SRG an Problembewusstsein mangelt."
Swissfundraising-Brief an Armin Walpen im Wortlaut (pdf)
Musterbrief für Organisationen (doc)
Für Rückfragen: Roger Tinner, Geschäftsführer Swissfundraising, Telefon 079 703 25 93, E-Mail roger.tinner@swissfundraising.org.





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