Im Nachgang zum «Tag der Frau»: Frauen im Fundraising und in der Philanthropie

14 Mar 2017
Andreas Cueni

Ein paar erstaunliche Zahlen zum Engagement der weiblichen Hälfte der Bevölkerung für die Entwicklung der gemeinnützigen Organisationen.

Swissfundraising zählt zurzeit rund 650 Mitglieder. Davon sind fast 360 weiblich, der Frauenanteil beträgt also gut 55 Prozent. Der Vorstand des Verbands zählt fünf Frauen und drei Männer. Zum zweiten Mal in der Verbandsgeschichte hat seit 2016 eine Dame das Vizepräsidium inne; nur eine Präsidentin gab es seit der Gründung 1994 noch nicht.

Unter den Leitungen der Erfatreffs dominieren noch die Männer; die organisieren die Veranstaltungen in Basel, Bern, St. Gallen und in der Romandie, während Zürich und Luzern zusammen einen adäquaten Frauenanteil haben. http://swissfundraising.org/de/77/Erfa-Treffs.htm

Starkes Interesse an der Weiterbildung

Die 8 angebotenen Swissfundraising-Tagesseminare (zwei von denen leitete Damen) der vergangenen 15 Monate besuchten rund 110 Personen. 70 von ihnen sind Frauen, was einem Anteil von 63 % entspricht. Einen identischen Überhang hat die Fachgruppe Direct Mail des Verbands, die Nutzerinnen des Direct Mail Panels zum Austausch offensteht. Die Fachgruppe Stiftungen, die sich in eine für Vertretungen kleiner Organisationen und eine für Grosse aufteilte, ist kaum mehr gemischt; dem halben Dutzend Herren stehen 30 Damen gegenüber, die also ein Anteil von über 80 % schaffen.

Stichproben beim Erfatreff-Publikum der jüngsten Zeit zeigen 80%-Frauen-Anteile bei den Anlässen der Romandie und für Deutschschweizer Veranstaltungen solide Überschüsse, die auch 75 % erreichen können, sicher aber 60 %.

An der charmanten Moderation der Fachgruppen oder Erfatreffs dürfte das nicht liegen; vielmehr scheinen die Frauen im Verband entweder mehr Weiterbildungsbedarf zu haben oder dann Angebote zum Wissensaustausch gezielter zu nutzen.

Dienstleistungen sind männlich

Anders liegt die Geschlechter-Verteilung bei der Auszählung der Liste der Dienstleistungs-Unternehmen im Fundraising, die der Verband jeweils um die Jahreswende allen Mitgliedern per Post zustellt und die jederzeit online zugänglich ist. Unter den Kontaktpersonen der Anbieter sind 60 Männer und 25 Frauen, also eine Verteilung von 70% zu 30%. Insbesondere Software, Druck und Telefon-Marketing sind Männer-Domänen. Immerhin zeigt das Studium alter Listen, dass sich innerhalb von 7 Jahren die weiblichen Kontaktpersonen mehr als verdoppelten. http://swissfundraising.org/dienstleisterliste

Dienstleistungs-Anbieter haben ein grosses Gewicht im Berufsregister, was erklärt, dass unter 55 Eingetragenen die Frauen nur 30% ausmachen. Sicher gibt es viele Fundraiserinnen, die die Aufnahmebedingungen erfüllen und einen Beitrittsantrag stellen könnten: http://swissfundraising.org/de/108/Berufsregister.htm

Frauen in der Philanthropie

Der Swissfundraising-Spendenbarometer hat gezeigt, dass 70% der Männer, aber 79% der Frauen in der Schweiz spenden. Männerthemen sind höchstens die Bergbevölkerung (26% gegenüber 24% Neigung) und Kultur (24% gegenüber 16%). http://swissfundraising.org/spendenbarometer

Schon 2005 wies das VMI der Universität Fribourg mit der Stifterstudie Schweiz nach, dass Frauen unter den Neugründerinnen an Stiftungen in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends einen Anteil von 43,5% hatten, während diese Kennzahl bei Stiftungen vor 1975 noch bei 17,5% lag.
Schliesslich haben Elisa Bortoluzzi Dubach und Hansrudolf Frey Ende 2014 ein ganzes Buch über Mäzeninnen vorgelegt. Sie porträtieren bedeutende Gönnerinnen aus der Schweiz, Liechtenstein, Deutschland und Norditalien und fragen, ob Frauen anders fördern. Eine Zusammenfassung findet sich unter den Buch-Besprechungen der Swissfundraising-Webseite. http://swissfundraising.org/buecher


Kommentare:
Bisher sind keine Einträge vorhanden.

TOPPrintversion*